Sex Sucht Liebe

Modi des Genießens im 21. Jahrhundert

 

Mit den Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie (1905) erschütterte Sigmund Freud die Sexualmoral seiner Zeit. Er formulierte die These, der Mensch sei von unbewussten sexuellen Wünschen bestimmt. Zudem ging er von einer „infantil polymorph-perversen“ Sexualität von Beginn an aus und vollzog damit einen Bruch mit dem aufklärerischen Menschenbild. Das „Ereignis Freud“ machte deutlich: Das Subjekt ist triebhaft verfasst, und sexuelle Befriedigung bleibt zentral für sein Begehren. Heute ist Sexualität nicht mehr Skandal, sondern kulturelle Oberfläche. Sie erscheint enthemmt, allgegenwärtig und digital inszeniert. Intimität wird öffentlich, Privatheit brüchig. Das Seminar „SEX SUCHT LIEBE“ greift diese Verschiebung auf. Es beleuchtet das Spannungsfeld von Sex und Liebe sowie Sucht als Signatur gegenwärtiger Triebökonomien. Im Blick stehen gesellschaftliche Umbrüche und ein Paradox: mehr Vielfalt sexueller Praktiken bei zugleich rückläufiger Frequenz des Geschlechtsverkehrs.

Highlights

• Theoretische Grundlagen nach Sigmund Freud und Jacques Lacan (klinisch-psychoanalytische Perspektive)

• Veränderungsprozesse des Sexuellen in der Kultur seit 1905

• Sexualisierung und De-Sexualisierung

• Verdrängung und „infantil polymorph-perverse“ Sexualität

• Triebtheorie und Triebökonomie

• Geschlechterverhältnis und sexuelles Verhältnis

• Begegnung, Liebe und Lust

• Sucht, Begehren und Genießen

Zielsetzung & Kompetenzgewinn

• Erstes Verständnis für kulturelle Veränderungen des Sexuellen und deren Bedeutung für klinische Zusammenhänge entwickeln

• Sensibilisierung für eine „Klinik des Sexuellen“ zwischen Übererregung/Sucht und Leere/Lustlosigkeit

• Reflexion der sexuellen Begegnung als potenziell traumatisches Moment

• Erkennen zeitgenössischer sexueller Phänomene im klinischen Alltag

• Gemeinsame Bearbeitung von Fallbeispielen im geleiteten Seminargespräch

• Entwicklung erster handlungsleitender Antworten auf klinische Fragen im Sinne eines „Wie gehe ich damit um …?“

• Aktive Einbringung eigener klinischer Fragen und Fälle durch Teilnehmende

Zielgruppe

Personen, die im psychosozialen Bereich mit Menschen arbeiten und an den Methoden und Theorien der Psychoanalyse nach Sigmund Freud und Jacques Lacan interessiert sind.

Methodik

Fallarbeit, Selbstreflexion, Theorievermittlung sowie psychoanalytisch orientierte Sozialarbeit

Referent:in

Mag. Dr. phil. Markus Zöchmeister

lebt und arbeitet als Psychoanalytiker in Wien. Neben der eigenen Praxis unterrichtet Dr. Zöchmeister an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien und hält Seminare zur Psychoanalyse innerhalb der Initiative NLS Wien. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Auseinandersetzung mit der Kultur und ihren unterschiedlichen Formen des Leidens als Neurose oder Psychose in unserer Zeit. Er ist Mitglied der Initiative NLS Wien, der New Lacanian School (NLS) und der Asociación Mundial de Psicoanálisis (AMP).