Trauer - Depression - Melancholie

Zur Psychologie der Antriebslosigkeit

 

Der gesellschaftliche Umgang mit Trauer hat sich grundlegend verändert. Während Trauer früher als natürlicher Prozess verstanden wurde, wird sie heute zunehmend medizinisch bewertet und zeitlich reglementiert. In einer beschleunigten, leistungsorientierten Welt bleibt kaum Raum für Rückzug und Verlustverarbeitung. Trauer braucht jedoch Zeit – sie ist notwendig, um einen Verlust innerlich zu integrieren. Die heutige Abwehr dieser Erfahrung zeigt sich immer häufiger in Depression, Leere und Antriebslosigkeit. Diese Symptome verweisen auf eine tiefere Krise des Begehrens in der hypermodernen Gesellschaft, deren Folgen viele Menschen psychisch tragen müssen.

Highlights

  • Verstehen von psychischen Phänomenen der Leere und Antriebslosigkeit
  • Unterscheiden von Trauer, Melancholie und Depression
  • Zur Psychologie der Trauer, der Melancholie und der Depression
  • Wege der Behandlung und Betreuung mit den unterschiedlichen Phänomenen dieses Seminars
  • klinische Beispiele aus der eigenen Arbeit

Zielsetzung & Kompetenzgewinn

  • Unterschiedliche Formen von Trauer im gesellschaftlichen Kontext verstehen

  • Trauer, Melancholie und Depression voneinander unterscheiden können

  • Sensibilität für die Privatisierung von Trauer und ihre Folgen entwickeln

  • Handlungssicherheit im psychosozialen Umgang mit Trauer anhand von Praxisbeispielen gewinnen

Zielgruppe

Personen, die im psychiatrischen als auch im extramuralen Setting mit Patient:innen und Klient:innen arbeiten, die psychisch an den Phänomenen der Trauer, der Melancholie und der Depression leiden.

Methodik

Die teilnehmenden Personen werden gebeten, aus ihren jeweiligen Arbeitsbereichen Fallbeispiele mitzubringen, die sich an folgenden Punkten orientieren:

  • Kurzbiografie der Klient:innen

  • Wie formulieren die Klient:innen ihre Anliegen?

  • Wie gestaltet sich die Beziehung zu den jeweiligen Fachkräften im psychosozialen Bereich?

  • Welche Fragestellungen ergeben sich für die Fachkräfte in der Betreuung?

Referent:in

Mag. Dr. phil. Markus Zöchmeister

lebt und arbeitet als Psychoanalytiker in Wien. Neben der eigenen Praxis unterrichtet Dr. Zöchmeister an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien und hält Seminare zur Psychoanalyse innerhalb der Initiative NLS Wien. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Auseinandersetzung mit der Kultur und ihren unterschiedlichen Formen des Leidens als Neurose oder Psychose in unserer Zeit. Er ist Mitglied der Initiative NLS Wien, der New Lacanian School (NLS) und der Asociación Mundial de Psicoanálisis (AMP).